Rhein-Main-HallenObjektbericht

Wiesbaden 

Innovative Architektur und Nachhaltigkeit
RheinMain CongressCenter und Landesmuseum Wiesbaden

Das RheinMain CongressCenter ist das größte und modernste Kongress- und Veranstaltungszentrum in Wiesbaden mit insgesamt 45 Eventräumen. Seit seiner Eröffnung im April 2018 hat es neue Standards im Veranstaltungswesen gesetzt und Wiesbaden nachhaltig als Destination für Kongresse, Tagungen und Events etabliert. Das Zentrum zeichnet sich durch seine Innovationskraft, Multifunktionalität, modernste Medien- und Veranstaltungstechnik sowie Nachhaltigkeitsinitiativen aus. Es befindet sich in einer einzigartig zentralen Lage in Deutschland. Die Architektur des RheinMain CongressCenters harmoniert mit den umliegenden Gebäuden wie dem klassizistischen Museumsbau von Theodor Fischer und den Hallenbauten von Ferdinand Heide, die sich in die Herbertanlage einfügen. Dies schafft einen urbanen Platz, der wichtige Synergien zwischen den verschiedenen Gebäuden schafft.

Durch die Neugestaltung des Platzes und die Reduzierung des Verkehrs wurde ein für die Bürger zugänglicher Freiraum geschaffen. Dieser trägt auch dazu bei, eine grüne Achse zwischen dem Bahnhof/Reisingeranlage und der Wilhelmstraße mit dem Warmen Damm und dem Kurpark zu schließen, was ein Alleinstellungsmerkmal von Wiesbaden ist.

Grüner Platz – Parterre à l’anglais

Neun erhabene Rasengevierte gliedern den Vorplatz des RMCC und reagieren auf die architektonische Sprache des Neubaus. Sie formulieren den Freiraum als ‚Grünen Platz‘ - repräsentatives Entrée und Ort zum Verweilen zugleich.

Mit den, dem Neubau vorgelagerten, Rasengevierten wird ein Stück weit eine Gestaltungsform der klassischen Landschaftsarchitektur, die Rasenparterre („Parterre à l’Anglaise“), aufgegriffen, welche bei repräsentativen Bauten im Barock angewandt wurde und durch ihre zeitgenössische Neuinterpretation einen engen Kontext zu dem neuen Congressgebäude bilden.

Textur und Stadtboden: Gleich und doch nicht gleich

Adler & Olesch Mainz hatte für den Platz ursprünglich in Abstimmung mit dem Architekten einen hellen beigegrauen Granit in changierenden Farben vorgesehen. Dies konnte aufgrund der Vorbehalte der Stadt Wiesbaden auch nach langer Überzeugungsarbeit nicht umgesetzt werden. Die Stadt Wiesbaden hatte bei einem anderen Projekt schlechte Erfahrung gemacht und war deshalb vom Nachhaltigkeitsgrad von Naturstein nicht überzeugt. So stellte sich Adler & Olesch Mainz der Herausforderung, gemeinsam mit Rinn einen Betonwerkstein zu entwickeln, der eine lebendige und changierende Optik aufweist, die zu der Farbigkeit der Fassade passt: den ‚Wiesbadenstein‘.

Erschaffen wurde ein monochromer Belagsteppich aus Magnum Platten, der mit sechs verschiedenen Oberflächentexturen ein feingewebtes Muster bildet. Die Oberflächen unterscheiden sich durch ihre Rauigkeit, ein unterschiedlich starkes Stahlsandstrahlen, andere Zuschlagstoffe sowie die Einfärbung des Bindemittels. Zur Verlegung wurde ein Muster als einheitliches Modul bzw. Stempel gewählt, das sich jeweils untereinander verzahnt. Die Wiederholung des Musters wird nicht bewusst wahrgenommen und vermittelt dennoch ein ruhiges Bild. Das Ergebnis ist die Übertragung der grau-beigen Farbigkeit des Kalksteins der Fassade und der Kolonnaden des RheinMain CongressCenters in die Fläche. Ein Stein, der farblich exakt mit der Materialität der Fassade aus Muschelkalk und hellem Beton korrespondiert. Das Innere und Äußere - Hallen und Platz - gehen ineinander über. Die Vorzone des Landesmuseums wurde mit dem gleichen Stein ausgeführt, sodass ein großzügiges Platzensemble von CongressCenter und Landesmuseum entsteht.

Intarsie Wasserband

Ein mit Wasser benetztes 4,5 m breites und 90 m langes Band ist als bewegte Spiegelfläche parallel zur Fassade in die Platzfläche eingelassen. Die Fassade des RMCC spiegelt sich darin. Es interpretiert die historische Gestaltung der barocken Parterre d’eau neu und verleiht dem Platz räumliche Tiefe. Durch die Reflexion wird das Spiegelbild der Kolonnaden als feine Intarsie in den Platzboden ‚eingelegt‘. Die vertikale Gliederung der Säulen wird durch die Reflexion überhöht und lässt das Gebäude größer erscheinen. Wenn ein Windhauch über den Wasserspiegel streicht, kommt das Spiegelbild wie ein Vexierbild in Bewegung und relativiert die Strenge der Fassade.

Das Wasserband ist an den Rändern bodengleich und zur Mitte auf 4,5 cm unter Platzbelag abgesenkt. Der Wasserfilm wird durch mittig aufsteigendes Wasser erzeugt und zu den Rändern über Entwässerungsrinnen dem Brunnenkreislauf zurückgeführt. Der Platzbelag wird durch das Wasserband weitergeführt und kann so durch eine Unterbrechung der Wasserzufuhr als Platzfläche für Events, Messestände, Exponate oder ähnliche Angebote genutzt werden. Das parallel zur Fassade laufende Band ist nicht durchgehend, sondern weist auf die vorgelagerten Rasengevierte gefluchtete Unterbrechungen auf. Diese Unterbrechungen dienen der Entfluchtung, der als Versammlungsstätte qualifizierten Congresshallen und wurden eng mit dem Brandschutzplaner sowie der Feuerwehr abgestimmt. Hier war es besonders wichtig, dass die Ränder des Wasserbandes bodengleich sind

 

Als Bauherrin des Gebäudes erhielt die Rhein-Main-Hallen GmbH das DGNB Zertifikat in Platin und zusätzlich die DGNB Auszeichnung Diamant für architektonische Vielfalt.


Projektorganisation

Bauherr

Rhein-Main-Hallen GmbH

Rheinstraße 20

65185 Wiesbaden

Planung

Adler & Olesch Landschaftsarchitekten und Ingenieure Mainz GmbH

Martinsstraße 13

55116 Mainz

Verarbeiter

Fa. Gramenz

Mittelpfad 3

65205 Wiesbaden

 

Bildrechte: Peter Krausgrill_Rhein-Main-Hallen Gmbh

Bilder von Adler & Olesch Landschaftsarchitekten und Ingenieure Mainz GmbH und Firma Dyckerhoff zur Verfügung gestellt


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