Esterházypark am Haus des MeeresObjektbericht

Wien

Wiens Esterházypark als Vorbild für klimaresiliente Städte
Nach dem Schwammstadt-Prinzip

Hitzewellen, Dürreperioden und Starkregenereignisse stellen unsere Städte vor enorme Herausforderungen. Die Folgen des Klimawandels erfordern innovative, nachhaltige Lösungen, die sowohl Überflutungen entgegenwirken als auch das Mikroklima verbessern. Eines der effektivsten Konzepte ist das Schwammstadt- Prinzip, bei dem Städte so geplant werden, dass sie wie ein Schwamm agieren: Sie nehmen Niederschlagswasser auf, speichern es und geben es bei Bedarf wieder an die Umgebung ab. Ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung dieses Prinzips in einem öffentlichen Raum ist der Esterházypark am Haus des Meeres in Wien, der 2020 als erster „Cooling Park“ der Stadt eröffnet wurde.

Intelligente Freiraumgestaltung: Von der grauen Fläche zur grünen Oase

Der Esterházypark liegt prominent zwischen Schadekgasse und Gumpendorferstraße und dient als Eingangsbereich für das beliebte Haus des Meeres. Früher war der Platz von versiegelten Betonflächen dominiert, die in den heißen Wiener Sommern kaum Aufenthaltsqualität boten. Die Landschaftsarchitektin Carla Lo verfolgte in ihrer Planung das Ziel, den Platz zu entsiegeln und in eine lebendige, grüne Oase zu verwandeln. Dabei sollte nicht nur ein ästhetisch ansprechender Freiraum geschaffen werden, sondern auch ein Ort, der Anwohnern und Besuchern gleichermaßen als essenzieller Erholungsraum dient und das städtische Klima aktiv verbessert. Das innovative Konzept löste das klassische, strenge Parkraster auf und setzte auf fließende Übergänge. Das Ergebnis ist eine naturnahe Gestaltung, bei der das Grün seinen Platz zwischen den Pflasterfugen findet. Die landschaftsarchitektonische Sogwirkung hat den einladenden Platz in der Zwischenzeit zu einem zentralen Treffpunkt werden lassen.

Die Schwammstadt in der Praxis: Materialien und Effekte

Für die Umsetzung der Schwammstadt-Idee kamen Beläge zum Einsatz, die ein hohes Maß an Versickerung und Begrünung ermöglichen. Die Bodenflächen wurden mit hellen, entsiegelten Betonsteinen realisiert, die durch breite, begrünbare Fugen das Regenwasser aufnehmen und speichern können. Diese Materialien bieten nicht nur eine dauerhafte Befestigung, sondern auch genügend Raum für Substrat, um eine erfolgreiche Bepflanzung zu gewährleisten. Das gespeicherte Wasser versickert kontrolliert ins Grundwasser und steht den Pflanzen bei Trockenheit zur Verfügung. Die hellen Steinoberflächen tragen zur Reduzierung der Hitze bei, da sie das Sonnenlicht reflektieren und somit die Aufheizung der Fläche verringern. In Verbindung mit den begrünten Fugen entsteht ein spürbarer Kühleffekt, der das Mikroklima positiv beeinflusst. Ergänzend wurden im Park „Klimabäume“ und fast drei Meter hohe Nebelduschen installiert, die bei Hitze mit einem feinen Sprühnebel für eine gefühlte Abkühlung um bis zu sechs Grad Celsius sorgen. Die Pflasterflächen des Parks zeigen die Vielseitigkeit des Schwammstadt-Prinzips: Sie ermöglichen einen nahtlosen Übergang von befahrbaren Bereichen mit mittlerem Grünfugenanteil zu Randbereichen mit hohem Grün- bzw. Versickerungsanteil. Pflasterflächen ohne Grünfugen schließen sich problemlos an und bieten Skateboardern oder Personen mit Gepäck schnellen Durchlass. Durch die perfekt aufeinander abgestimmten Steinformate wirkt die gesamte Fläche wie aus einem Guss. Diese Art der Planung ist nicht nur funktional, sondern auch optisch ansprechend, da die Grenzen zwischen klassischem Platz und Grünanlage verschwimmen.

Zukunftsorientierte Lösungen für klimaresiliente Städte

Der Esterházypark in Wien ist ein wegweisendes Beispiel dafür, wie Freiraumplanung die Lebensqualität in urbanen Räumen nachhaltig verbessern kann. Das Projekt vereint Ästhetik, Funktionalität und Klimaresilienz auf beeindruckende Weise und zeigt, dass das Schwammstadt-Prinzip nicht nur eine theoretische Lösung, sondern eine realisierbare und effektive Strategie für die Herausforderungen des Klimawandels ist. Städte und Planer können sich an diesem Pionierprojekt orientieren und erfahren, wie durch die intelligente Wahl der Materialien und die Integration von grüner und blauer Infrastruktur lebenswerte, kühle und nachhaltige Orte entstehen. Der Erfolg des Esterházyparks beweist, dass sich Investitionen in zukunftsfähige Stadtplanung auszahlen und einen unmittelbaren Mehrwert für die Gesellschaft schaffen. Sind wir bereit, Freiräume nach dem Schwammstadt- Prinzip zu planen und einen Beitrag zur Klimaresilienz unserer Städte zu leisten?

Dauerhafte Begrünung

Die Auswahl der Bepflanzung im Esterházypark ist ein integraler Bestandteil des Schwammstadt- Prinzips und wurde gezielt auf ihre Trockenresistenz und Anpassungsfähigkeit an urbane Stressfaktoren abgestimmt. Innerhalb der weiten, begrünten Fugen der Betonsteinplatten kamen speziell ausgewählte Pflanzen zum Einsatz, die nicht nur das Mikroklima positiv beeinflussen, sondern auch zur Luftverbesserung beitragen. Dazu gehören robuste Sedum- Arten wie Sedum acre, Sedum album und Sedumsexangulare, die aufgrund ihrer Wasserspeicherfähigkeit auch längere Trockenphasen überstehen. Ergänzend wurden widerstandsfähige Regel-Saatgut-Mischungen und trockenresistente Stauden in den Gestaltungsbereichen gepflanzt. Diese Vegetation erfüllt eine essenzielle ökologische Funktion: Sie bindet CO2, Staub und Schadstoffe aus der Luft, trägt durch Verdunstung zur Kühlung bei und schafft gleichzeitig einen wichtigen Lebensraum für Insekten.

Zur Befestigung des Parkplatzes wurde hier ein Ökobeläg verwendet.

Projektorganisation

Bauherr

Stadt Wien
MA42

Freiraumplanung

Carla Lo Landschaftsarchitektur
Wien

Projektpartner

Breathe Earth Collective & Green4Cities

Kooperationspartner

Haus des Meeres
Wien

Betonsteine

Rinn Beton- und Naturstein GmbH & Co. KG
Heuchelheim/Lahn

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